eBikes kann man beim lokalen eBike Händler kaufen. Oder im Baumarkt, oder im Internet, oder gebraucht. Wir empfehlen – besonders Einsteigern – den lokalen Fachhandel. 

eBikes boomen – und entsprechend vielfältig sind die Anbieter, die etwas vom Kuchen abhaben wollen. Für erfahrene eBiker, die sich auskennen und sogar selbst im Keller schrauben, kann der Kauf eines Schnäppchens oder eines Gebrauchtbikes natürlich lukrativ  sein. Einsteiger sollten davon die Finger lassen – zu hoch ist das Risiko, an Ladenhüter mit veralteter Technik, fragwürdige China-Importe ohne CE-Kennzeichen oder einen ausgelutschten Akku zu geraten.

Und was, wenn es später mal Probleme gibt mit Motor oder Elektronik? Guter Service vor Ort ist beim eBike viel wichtiger als beim klassischen Fahrrad. Vergleichen kann man die Situation eher mit dem PKW. Auch da ist die richtige Werkstatt Gold wert.

Besonders für den ersten eBike-Kauf solltest du dir einen vertrauenswürdigen Fachhändler in der Nähe suchen. Probiere ruhig einige aus. Fünf gute Gründe für den Kauf vor Ort:

1Garant für Qualität

Jeder Fachhändler führt einige eBike-Marken, meist eine Mischung aus »Butter-und-Brot«-Marken mit gutem Preis/Leistungsverhältnis, ein paar Spezialisten (z.B. für Lastenräder) und natürlich Premium-Marken, bei denen erstklassige Ausstattung und tolles Design etwas mehr kosten. Die gute Nachricht: Quer durchs Angebot eines Fachhändlers kann man einen sehr soliden Qualitätsstandard erwarten. Objektiv schlechte eBikes, die gravierende technische Mängel aufweisen, gibt es im Fachhandel praktisch nicht – du kannst dich also darauf konzentrieren, das passende eBike für dich, deine Bedürfnisse und deinen Geldbeutel zu finden.

Dieser Grundstandard an Qualität hat seinen Preis. Da man mit dem eBike öfter und weiter fährt als mit dem normalen Fahrrad, sind Haltbarkeit, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit wichtig. Auch die Entwicklungsarbeit, die in einem eBikes steckt, bekommt man nicht geschenkt. Wieviel man investieren sollte, hängt vor allem von der Intensität der Nutzung ab. Los geht es bei rund 1600 Euro, die Mittelklasse beginnt bei 2500 Euro. Bei Edelbikes geht es bis 5000 Euro oder sogar höher.

Übrigens: Kein Händler führt alle Marken, daher ist es sinnvoll und legitim, sich eBikes bei verschiedenen Händlern anzuschauen. Unfair – und bei eBikes zudem unklug – ist dagegen der Beratungsklau: Man lässt sich vom Händler beraten, fährt Probe – und bestellt das eBike dann irgendwo online, um ein paar Euro zu sparen. Das rächt sich spätestens beim Service oder einem Garantie-Fall (siehe unten).

2Probefahrt

Grau ist alle Theorie – ob einem ein Bike gut passt und auch sonst gefällt, findet man nur über Probefahrten heraus. Und die bietet nur ein lokaler Händler. Oft besteht auch die Möglichkeit eines »Langzeittests«, zum Beispiel mietet man ein eBike übers Wochenende – und bekommt den Mietpreis bei Kauf gutgeschrieben.

Findet man partout keinen passenden Händler vor Ort, kann man sich ein eBike zur Probefahrt vor die Haustür liefern zu lassen. Diesen Premium-Service bieten einige Hersteller und Versender an. So kann man in aller Ruhe testen und sicher sein, dass man das eBike kauft, welches nicht nur auf einem Internet-Bildchen gut aussieht.

3Beratung

Der Fachhändler vor Ort kann sehr genau ermitteln, welche Räder aus seinem Angebot für dich infrage kommen. Im Prinzip wird er vorgehen wie diese Kaufberatung, die du gerade liest. Durch gezielte Fragen stellt er deine Wünsche und Bedürfnisse fest.

Ein vorinformierter Kunde – der zum Beispiel diese Kaufberatung gelesen hat 🙂 – ist beim Händler sehr willkommen, da man die Basics schnell abhaken kann und mehr Zeit für die Individualberatung hat. An dieser Stelle solltest du nicht zögern, deine Situation genau zu schildern. Zum Beispiel: Du willst jeden Tag eine ganz bestimmte Strecke ins Büro fahren. Oder: In eurem Haushalt befindet sich bereits ein eBike, deshalb soll das neue den gleichen Akku haben.

Oft spürt man intuitiv, ob der/die Verkäufer/in einen versteht und gut berät, manchmal ist das sogar die Basis für eine lange, freundschaftliche Beziehung. Umgekehrt kommt es vor, dass ein netter und kompetenter Händler einfach nicht das eBikes führt, das man sich vorstellt – das sollte man dann ehrlich und freundlich sagen und anderswo schauen.

Woran erkennt man nun kompetente Beratung? Zum Beispiel, indem man auf seine Fragen gute Antworten erhält. Fünf typische Beispiele: klicke auf den Kasten …

5 Fragen, die ein guter Berater gut beantwortet

• Wie lange gibt der Hersteller Garantie? Welche Teile sind evtl. von der Garantie ausgenommen? Ist die Garantie an Bedingungen geknüpft? Die Antworten variieren je nach Hersteller – und stehen in dessen AGB. Der Händler sollte sie kennen. (Die Garantie ist eine freiwillige Leistung, im Gegensatz zur gesetzlichen Gewährleistung. Wichtig: Oft kommt nur der Erstkäufer eines eBikes in den Genuss der Herstellergarantie.

Wie hoch ist das zulässige Gesamtgewicht des eBikes? Diese Frage sollten alle eBike-Käufer stellen, die über 90 kg Körpergewicht haben, denn viele Bikes sind nicht für Systemgewichte (Rad + Fahrer + Bekleidung + Gepäck) deutlich über 120 kg ausgelegt. Im Zweifelsfall lässt man sich die Händlerangabe schriftlich im Kaufvertrag bestätigen, dann ist man bei Problemen wegen einer falschen Info (Unfall, Rücktritt vom Kauf etc.) auf der sicheren Seite.

• Wieviel darf ich auf den Gepäckträger laden? Jeder Hersteller gibt eine maximale Beladung für seinen Gepäckträger an. Die Last auf dem Hinterrad kann das Fahrverhalten massiv beeinflussen.

• Gibt es das eBike in der für mich passenden Größe? Eine gute Antwort lautet: »Wir vermessen Sie und ermitteln so die passende Rahmengröße bei diesem Modell.« Manche Händler arbeiten sogar mit einem Scanner, der auch die optimale Einstellung von Sattel, Lenker und Bedienelementen ermittelt. Mehr zum Thema Rahmengröße hier.

• Eine Frage hätte ich noch …  Kann ich einen Kinderanhänger montieren? Gehen da auch größere Bremsscheiben? Lässt sich meine alte Fahrradtasche an diesem System-Gepäckträger einklicken? Solche individuellen Fragen wird sich ein guter Händler anhören – und beantworten. Vielleicht nicht sofort, weil er selbst noch rückfragen muss. Aber er wird antworten.

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Und wenn du wissen möchtest, woran man weniger kompetente Händler erkennt …

Daran erkennt man schlechte Beratung

Ladenhüter: Der Verkäufer berät (zu) gezielt auf ein ganz bestimmtes eBike hin, das im Laden steht. Einwände oder Fragen wischt er weg. Dann liegt der Verdacht nahe, dass dieses Bike wohl weg muss.

»Passt schon!«: Gleiches gilt, wenn man sich auf einem eBike nicht wohlfühlt, aber der Verkäufer nach dem Motto »Was nicht passt, wird passend gemacht« agiert: »Ach was, da machen wir einen längeren Vorbau hin, dann ist das perfekt!«

»Taugt nix!«: Der Verkäufer kritisiert Produkte, die er nicht im Angebot hat, sehr unsachlich. Beispiel: »Haben Sie auch ein eBike mit Shimano-Motor?« – »Nein, die taugen ja nichts!« Tatsächlich hat der Händler dann einfach keine Marke im Sortiment, die Shimano-Motoren verbaut.

Druckmacher: Sprüche wie »Ich hab nur noch dies eine Modell, die neuen kommen erst nächstes Jahr!« oder »Nur heute zu diesem Preis« sind ein sicheres Zeichen für wenig seriöse Verkäufer (nicht nur im eBike-Business).

eBike-Muffel: Einige klassische Radhändler sind einfach keine Fans von eBikes, verkaufen sie aber trotzdem. Ist ja guter Umsatz. Spürt man dieses Desinteresse im Gespräch (»Ja, die sind alle gut, gell. Eingebauter Rückenwind halt, gell. Gähn …«), sollte man einen Händler suchen, der die Begeisterung am eBike teilt. So macht es allen Beteiligten mehr Spaß.

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4Service

Ein eBike hat mehr Power und dadurch auch mehr Verschleiß als ein Fahrrad, daher sind die Wartungsintervalle kürzer. Auch die Technik ist komplexer – zur klassischen Fahrradmechanik kommen die  Komponenten Motor, Akku und Elektronik. Natürlich kann man Platten weiterhin selbst flicken und auch mal die Bremsbeläge wechseln. Aber der richtige Service (zum Beispiel Software-Updates der Motorsteuerung) erfordert Diagnose-Tools und Spezialwerkzeuge, über die auch versierte Selbstschrauber kaum verfügen. Zudem setzt man bei solchen Basteleien die Garantie aufs Spiel.

Insofern ist die Werkstatt eures Händlers (hinten im Laden) auf Dauer wichtiger als der schicke Showroom (vorne im Laden). Wird dort gut, flott und seriös gearbeitet, hat man kaum einen Grund, den Händler später wieder zu wechseln. Tipp: Frag vor dem Kauf ruhig nach den üblichen Wartezeiten in der Werkstatt, wann der erste Service fällig wird und ob dieser im Preis eingeschlossen ist. Ein Service-orientierter Händler gibt dir darauf nachvollziehbare Antworten.

Apropos Garantie: Für die Abwicklung von Garantie- und Gewährleistungsfällen ist der Händler zuständig, bei dem man sein eBike gekauft hat. Ein anderer Händler ist NICHT verpflichtet, diese (eher unlukrativen) Aufgaben zu übernehmen. Nein – auch nicht, wenn er offizieller Händler der betroffenen eBike-Marke ist (das geht im KFZ-Handel, aber nicht bei eBikes). Wenn ein Händler trotzdem ein »Fremdbike« annimmt, tut er das freiwillig.

5Legalität

Last but not least ist der Fachhändler auch Garant für die Legalität eines eBikes. Es gibt eine Menge schwarzer Schafe, welche online oder sonstwo eBikes verkaufen, die in der EU gar nicht betrieben werde dürfen. Zwar unterliegt ein Pedelec keiner Zulassungspflicht für den Straßenverkehr, trotzdem muss es als »elektrische Maschine« den ziemlich komplexen gesetzliche Anforderungen der Maschinenrichtlinie genügen. Es muss daher eine CE-Kennzeichnung aufweisen, ein GS-Prüfsiegel tragen und einen EMV-Test durchlaufen haben, um die Sicherheit zu gewährleisten. Besitzt ein Pedelec die genannten Merkmale nicht, darf es in der EU nicht verkauft werden. Ein Fachhändler wird ein solches eBike gar nicht erst anbieten, da er hohe Strafen zu befürchten hat.

 

Zum Schluss: Sollte für dich der Preis das stärkste Argument für einen Online-Kauf sein: Viele Händler haben in der Preisgestaltung einen Verhandlungsspielraum und können auch ein attraktives Angebot machen. Eventuell haben sie noch ein Auslaufmodell oder einen Vorführer im Laden. Fragen kostet nichts. Und nebenbei: den netten Plausch über die neuesten eBikes bei einer Tasse Kaffee bekommt man nicht im Internet …

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